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Bewerbungsrede zum Kreisvorsitz der FDP Solingen - 04.08.2026

Bewerbungsrede von Richard Collings auf dem außerordentlichen Kreisparteitag der Freien Demokraten Solingen. Dort haben sich die Liberalen im August neu aufgestellt.

Richard Collings

Richard Collings (links) wurde mit 100% der Stimmen einstimmig zum neuen Kreisvositzenden gewählt.

Bewerbungsrede zum Kreisvorsitz der FDP Solingen - 04.08.2026
von Richard Collings

„Walter Scheel, ein großer Liberaler aus Solingen und ehemaliger Bundespräsident, hat einmal gesagt:

„Eine Demokratie ist immer auf dem Wege zu sich selbst. Sie ist nie fertig.“

Weise Worte. Und ich sage euch: Nicht nur die Demokratie ist immer auf dem Weg zu sich selbst – auch unsere Partei. Manchmal geht dieser Weg geradeaus. Und manchmal geht er im Kreis. Die letzten Monate fühlten sich eher nach Kreisverkehr an.

In der FDP zu sein ist nichts für schwache Nerven. Wenn ich könnte, hätte ich mir in den letzten Monaten oft die Haare gerauft. Aber ehrlich gesagt: Haare lassen mussten wir alle – die FDP und ich.

Denn um es offen zu sagen: Die letzten Jahre, besonders das letzte Jahr, waren nicht einfach für uns. Die Niederlagen bei der Bundestagswahl und der Kommunalwahl haben wehgetan. Das Urteil der Wähler war klar: Die FDP wirkt nicht mehr glaubwürdig. Es ging dabei auch um Inhalte – aber vor allem um Personal und Auftreten. Deshalb war unser schonungsloser Aufarbeitungsprozess auf allen Ebenen richtig und notwendig.

Die Bundes-FDP hat einen glaubhaften Neustart erst im zweiten Anlauf hinbekommen – aber sie hat ihn hinbekommen. Mit Kubicki, Henning Höne und dem neuen Bundesvorstand haben wir jetzt ein breites Team, das das Ruder herumreißt. Die Insa-Umfrage von Sonntag sieht uns zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder bei 5 Prozent. Das ist Rückenwind – gerade rechtzeitig für die Landtagswahl 2027.

Auch die FDP Solingen hat sich im Frühjahr neu aufgestellt. Aber die Wunden der Vergangenheit haben uns schnell wieder eingeholt. Die Presse titelte: „Die FDP kommt nicht zur Ruhe.“ Eine gelungene Neuaufstellung misslang gründlich. Es gab Austritte, öffentlichen Streit, weitere negative Schlagzeilen.

Ich glaube, ich spreche allen hier aus der Seele, wenn ich sage: Ich habe darauf keine Lust mehr. Wir wollen unsere Ideen und Lösungen für diese Stadt diskutieren – nicht uns selbst.

Deshalb haben sich nach dem Rücktritt des geschäftsführenden Vorstandes vor drei Wochen die drei Ortsvorsitzenden, die JuLis und der verbliebene Restvorstand zusammengesetzt. Wir haben überlegt, wie wir gemeinsam eine Lösung finden. Wir wollen jetzt einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen und diesen traditionsreichen Kreisverband zurück zu neuer Stärke führen. Das schaffen wir nur gemeinsam. Deshalb treten wir heute auch gemeinsam an – als Team.

Ich selbst habe in den letzten Wochen lange überlegt, ob ich kandidieren soll. Im März habe ich bekanntlich auf eine Wahl in den Kreisvorstand verzichtet, weil ich vom Team damals nicht überzeugt war. Diesmal bin ich es.

Ich weiß um die Verantwortung, die mit diesem Amt kommt. Ich tue das nicht für mich – sondern um meinen Beitrag zum Erfolg dieser Partei zu leisten. Und um meinen persönlichrn Dienst an der Demokratie zu tun. Das ist meine Motivation.

Unsere Demokratie hakt gerade an vielen Stellen. Selten wurde ihre Funktionalität so infrage gestellt wie heute. Viele Bürger erleben, dass der Staat bei seinen Kernaufgaben nicht liefert. Mal ehrlich: Jeder private Lieferservice funktioniert zuverlässiger als manche Behörde.

In einer Zeit, in der Politik vielerorts nicht mehr überzeugt, in der die politischen Ränder wieder stärker werden, braucht es eine politische Kraft, die dafür kämpft, dass Politik wieder funktioniert.

Die FDP hatte in der Nachkriegszeit maßgeblichen Anteil daran, die Grundlage für die soziale Marktwirtschaft zu schaffen – und gleichzeitig eine Verfassung zu verankern, die individuelle Bürgerrechte schützt. Das sind bis heute die unverrückbaren Leitplanken des politischen Liberalismus in Deutschland. Sie werden es auch durch alle Hochs und Tiefs bleiben. Deshalb bin ich in der FDP.

Mein Name ist Richard Collings, und ich bin Freier Demokrat aus Überzeugung.

Ich bin 28 Jahre alt, trage als Prokurist Verantwortung in einem mittelständischen Familienunternehmen mit 30 Mitarbeitenden – und studiere nebenbei. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, und das prägt mein Denken und Handeln bis heute. Seit ich denken kann, habe ich im Betrieb ausgeholfen: wenn Mitarbeiter krank waren, in der Fortbildung, im Urlaub – oder wenn samstags eine Extraschicht nötig war, weil dringende Kundenaufträge abgearbeitet werden mussten. Wenn meine Mutter fragte: „Kannst du morgen früh ab sieben Uhr die Schicht an der Maschine übernehmen?“ – dann habe ich nicht lange nachgedacht, sondern zugesagt. Denn irgendjemand muss den Job ja machen, sonst läuft die Produktion nicht.

So habe ich früh gelernt, was harte körperliche Arbeit bedeutet: den ganzen Tag an der Maschine stehen, kiloschwere Wellpappe verarbeiten, mit dem Gabelstapler schwer beladene Paletten ins Lager fahren – und abends erschöpft ins Bett fallen.

Das hat mich zwei Sachen gelehrt: Dankbarkeit für das, was ich habe. Und Respekt davor, dass Steuergeld hart erarbeitet werden muss.

Und wenn ich dann sehe, wie Kollegen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, wie Kinder keinen Kitaplatz bekommen, wie die Infrastruktur immer maroder wird – dann frage ich mich schon: Was macht die Politik eigentlich mit dem ganzen Steuergeld? Warum gibt es ständig neue Steuern (Grüße gehen raus an die SPD), jährlich neue Rekordeinnahmen – und trotzdem reicht das Geld nicht für einen funktionierenden Staat?

Genau deshalb engagiere ich mich in jeder freien Minute für die FDP. Dafür, dass Politik nicht nur rechnen kann sondern vor allem eins: sie wieder funktioniert. Ich engagiere mich dafür, dass diese Demokratie, die aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs gewachsen ist, die Kräfte der Freiheit entfaltet – und sie nicht bremst.

Ich bin 2017 in eine FDP eingetreten, die nach langer, harter Arbeit an sich selbst wieder auf die Erfolgsspur gefunden hatte und aus der außerparlamentarischen Opposition zurück in den Bundestag zog. Gutes Timing, würde ich sagen – denn jetzt ist die FDP wieder auf dem Weg zum Comeback.

Ich habe damals bei den JuLis angefangen, dort das politische Laufen gelernt, und wurde dann vom Fraktionsvorsitzenden Ulrich Müller in die FDP-Fraktion geholt. Seitdem war ich, mit einer kurzen Unterbrechung, bis zum letzten Jahr im Kulturausschuss aktiv. Seit 2022 darf ich außerdem den Ortsverband Wald leiten, den wir Anfang dieses Jahres mit Mitte und Gräfrath zusammengeschlossen haben.

2024 durfte ich als Europakandidat die FDP in Solingen und der Region vertreten. Das hat mir besonders viel Freude gemacht, weil ich trotz meiner britischen Wurzeln ein leidenschaftlicher Europäer bin. 
Bei Podiumsdiskussionen mit teils 300 Zuhörern habe ich zum ersten Mal gespürt, was es bedeutet, allein mit der Kraft der Argumente Menschen zu überzeugen. In vielen Veranstaltungen gab es Umfragen vor und nach der Diskussion: Stand die FDP vorher auf Platz vier oder fünf, stand sie hinterher auf Platz eins oder zwei.

Und das zeigt etwas Wichtiges: Unsere inhaltlichen Überzeugungen als FDP sind fast unverändert gut. Die schlechten Wahlergebnisse lassen sich für mich deshalb nicht auf Inhalte reduzieren – sondern vor allem darauf, wie wir uns präsentieren und wie wir auftreten. Da müssen wir besser werden. Und das können wir.

Die Niederlagen im letzten Jahr haben wehgetan. Aber sie sind kein Abschied – sie sind ein Auftrag. Ein Auftrag, es besser zu machen und mit einem noch besseren Angebot zurückzukommen.

Und das können wir, denn: Die Themen liegen für die FDP gerade wie auf dem Elfmeterpunkt. Alle rufen nach niedrigeren Lebenshaltungskosten, nach Bürokratieabbau, nach Entlastung – und vor allem nach notwendigen Reformen unseres trägen Staates. Wir haben die Antworten. Wir müssen sie nur noch reinschießen.

Und wir beweisen bereits, dass wir treffen: Im Frühjahr haben wir im Stadtrat neue Gewerbeflächen beschlossen. Dafür haben wir jahrelang gekämpft. Es war mühsam – aber am Ende hat die Kraft des Arguments sogar die Sozialdemokraten überzeugt. Darauf können wir als FDP stolz sein. Wir haben das mit möglich gemacht.

Wenn man also aktuell mal wieder gefragt wird: „Du bist doch in der FDP – wofür steht ihr eigentlich und was meint ihr mit Freiheit?“, dann sage ich:

Wir alle stehen für die Freiheit. Wir alle, die heute hier sind. Denn Freiheit besteht aus Gesichtern und Stimmen – aus Menschen, die Verantwortung übernehmen, weil Freiheit und Verantwortung zusammengehören. Unsere Aufgabe als FDP war es und bleibt es, Verantwortung zu übernehmen – im Dienst der Freiheit jedes einzelnen Bürgers, im Dienst dieser Stadt.

Fast ein Jahr durfte ich stellvertretender Vorsitzender dieser Kreispartei sein und bin im März aus persönlichen Gründen nicht wieder angetreten. Aufgehört, mich für die Freiheit zu engagieren, habe ich aber nicht. Ich trete heute mit einem Team an, weil ich gemeinsam mit einem Team, gemeinsam mit euch diese Partei zurück auf die Comeback-Spur bringen will.

Dafür bringe ich viel Erfahrung mit: Ich habe in den letzten Jahren viele  weitere Wahlkämpfe mitorganisiert, Osteraktionen und den CSD-Stände mitverantwortet – beides ist für nächstes Jahr wieder geplant –, parallel Social Media und die Website betreut, einen TikTok-Kanal für uns neu aufgebaut, Pressemitteilungen und Protokolle geschrieben, Stammtische organisiert und auf dem Mitglieder-Workshop den Arbeitskreis Sichtbarkeit geleitet.  All das will ich mit euch gemeinsam weiterentwickeln.

Der Liberale Debattierclub soll weiterentwickelt werden, genauso wie unsere innerparteiliche Organisation und unser Auftreten nach außen. Hinzu kommen werden neue Veranstaltungsformate mit externen Referenten, Arbeitskreise, Mitgliederumfragen zu aktuellen Themen und: Spaß an der politischen Arbeit. Das ist mir ein Herzensanliegen.

Dafür brauchen wir jeden einzelnen Freiheitskämpfer. Gerade jetzt. Jede und jeder, der sich einbringen will, soll das können. Der neue Vorstand wird das möglich machen.

Liebe Parteifreunde, wir haben ein hartes Jahr hinter uns. Aber wir haben die besseren Antworten, ein starkes neues Team und – wenn ich mir die Umfragen so ansehe – auch wieder Rückenwind.

Walter Scheel hatte recht: Die Demokratie ist nie fertig. Und auch unsere Partei ist es nicht. Aber genau das ist unsere Chance. Lasst uns aufhören, über uns selbst zu reden – und wieder anfangen, für diese Stadt zu liefern.

Ich bitte euch heute um euer Vertrauen für den Kreisvorsitz. Lasst uns das gemeinsam angehen. Vielen Dank.“